Landnutzungswandel in der Randow-Niederung

Landnutzungswandel in der Randow-Niederung



Schmettausches Kartenwerk 1787
Urmesstischblatt 1827
Messtischblatt 1912-1936
Topografische Karte der DDR 1982-1987
Digitale Topographische Karte (DTK) 2015

Bis ins 18. Jahrhundert: Ein naturnahes Niedermoor

Feuchte bis sumpfige Wiesen und Erlenbruchwald bestimmten das Bild der Niederungsflächen der Randow bis ins 18. Jh. Um die fruchtbaren Böden der Niederung nutzen zu können, wird 1731 mit dem Befehl des „General Direktoriums“ an die kurmärkische Kammer der Ausbau der Randow angeordnet. Friedrich-Wilhelm der I. erlässt 1738 eine „Schauordnung“, welche die jährlichen Erhaltungsmaßnahmen an Vorflutern und Gräben regeln soll.
Dreißig Jahre später befinden sich die angelegten Gräben in einem schlechten Zustand, was zu immer wiederkehrenden Überschwemmungen der genutzten Flächen führt. Um diesen Missstand zu beheben, wird die „revidierte und verbesserte Randow-Schauordnung“ erlassen. Die Ergebnisse dieser ersten Meliorationsmaßnahmen sind auf der Schmettauschen Karte von 1787 zu erkennen. Der „Randower Landgraben“ durchzieht die Niederung von Süd nach Nord, bevor er bei Schönow in die noch unbegradigte Welse mündet. Bäche wurden begradigt und die ersten Gräben sind erkennbar,auch der Mittelgraben ist bereits vorhanden, östlich davon lässt sich der Wiesengraben vermuten (hier noch ohne Bezeichnung).
In dieser Karte ist der westlich des Landgrabens gelegene Teil des Bruchs als Feuchtland gekennzeichnet (erkennbar an der grauen Schraffur). Es ist anzunehmen, dass die entwässerten Flächen der Niederung – je nach jahreszeitlichem Wasserstand – als Grünland genutzt wurden.

19. Jahrhundert: Mehr Grünlandnutzung durch Entwässerung

Das Urmesstischblatt von 1827 zeigt zahlreiche neue Strukturen in der Niederung. Die Anzahl der Gräben hat sich nun deutlich erhöht. Die Gesamtlänge der Fließgewässer liegt jetzt schon bei über 90 km. Der „Mühlen-Graben“ östlich des Landgrabens ist hinzugekommen. Das namengebende Fließgewässer wird nun in der Karte mit „die Randow oder der Landgraben“ bezeichnet. Eine Vielzahl von Stichgräben zu und zwischen den bestehenden Hauptgräben dient der weiteren Entwässerung der Landschaft, die jetzt noch hauptsächlich als Feuchtland dargestellt ist und wahrscheinlich temporär als Wiese oder Weide genutzt wird. Ackernutzung findet lediglich auf einzelnen Erhöhungen der Niederung statt.
Das Wegenetz wird ausgebaut. Die Bezeichnung „Kuh Damm“ deutet auf eine Weidenutzung der Flächen hin. Der Zusatz „Sommer Weg“ an einzelnen Wegen lässt vermuten, dass diese nur temporär, zu Zeiten geringerer Grundwasserstände, nutzbar waren.
Am südlichen Ende des Mühlgrabens befindet sich eine kleine Ansiedlung mit Wasser- und Bockwindmühle. In unmittelbarer Nachbarschaft sind zwei große und zwei kleinere Torfstiche erkennbar.
Um 1860 werden auf den Flächen des Rittergutes Schönow zur Gewinnung von fruchtbarem Ackerland durch Entwässerung und Bodenauftrag sogenannte Moordammkulturen angelegt, so dass in der Niederung nun auch Ackerbau stattfindet. Ab 1864 wird auf der Grundlage eines ausführlichen Meliorationsplans das Grabennetz in der südlichen Randow-Niederung ausgebaut.

Beginn des 20. Jahrhunderts: Die Melioration schreitet voran

Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts werden die nördliche Randow und der Wiesengraben im südlichen Randowtal stark ausgebaut.
Die fortgesetzten Meliorationsmaßnahmen hinterlassen nachhaltige Spuren. Nur noch ein Fünftel des Gebietes ist im Messtischblatt von 1912 (mit Aktualisierungen bis 1936) als Feuchtland dargestellt. Ein umfangreiches Grabensystem von ca. 150 km Länge durchzieht das Gebiet. Die wenigen Waldflächen werden gerodet, so dass fast die gesamte Fläche als Grünland genutzt wird. In mehr als 70 Torfstichen, hauptsächlich im nördlichen Teil der Niederung gelegen, wird Torf als Brennmaterial abgebaut.
Von den Wiesenbaugenossenschaften werden im südlichen Randowbruch weite Teile umgebrochen und der Anbau von Kartoffeln und anderem Gemüse sowie Hanf ermöglicht. Nach Kriegsende kommt es zu einem Verfall der Anlagen und zum Verbrachen der Flächen und damit zu einer vorübergehenden Extensivierung der Landwirtschaft. Mitte der 20er Jahre beginnen einige Güter wieder mit dem Umbruch. Das Wegenetz verfügt mittlerweile über eine Länge von nahezu 30 km.
Durch den Bau der heutigen Autobahn A11 1935/36 ist eine künstliche Wasserscheide entstanden, die das Bruch in einen südlichen und nördlichen Teil trennt. Dadurch fließt die Randow in zwei Richtungen ab. mehr…

Landnutzungsintensivierung in der DDR

Das Ausbleiben der Unterhaltungsmaßnahmen während des Zweiten Weltkrieges führte zum Verfall vieler Meliorationsanlagen und einem Zuwachsen der Gräben. Auf Veranlassung der Sowjetischen Militäradministration werden bereits 1946 Unterhaltungsarbeiten an den Vorflutern zur Beseitigung der Kriegsschäden durchgeführt. 1969 wird im Rahmen der Kampagne zur Industrialisierung der Landwirtschaft der ehemaligen DDR durch den Rat des Bezirkes Frankfurt/Oder die Komplexmelioration des Randow-Welse-Bruches beschlossen. Dazu gehören u.a. der Ausbau der zentralen Vorflut und der Binnenvorflut, Drainierung sowie eine Verkehrserschließung durch Spurplattenwege. Bis 1976 sind die Arbeiten abgeschlossen. Es erfolgen weiterhin ein Umbruch und die Neuansaat auf Grünlandflächen sowie ein deutlicher Ausbau der Verkehrsinfrastruktur auf ca. 40 km Gesamtlänge. Der Torfabbau wird ebenso wie die Nutzung der Wind- und Wasserkraft als Mühlenantrieb aufgegeben. Die Topografische Karte der DDR aus dem Jahr 1987 spiegelt diese Entwicklung wider. Die massiven Meliorationsmaßnahmen bleiben nicht ohne weitere Auswirkungen. Ein Feuchtflächenanteil ist nicht mehr erkennbar. Zwischen 1915 und 1985 kommt es in der Randow-Niederung zu Moorsackungen von bis zu 90 cm. mehr…

Heute

Wie seit dem Beginn der Entwässerungen im Niedermoor werden auch heute noch die Flächen als Grünland genutzt. Somit hat sich der offene Wiesen- und Weide-Charakter der Randow-Niederung nicht wesentlich verändert. Die über lange Zeiträume erfolgte Entwässerung hat jedoch den Torfkörper und damit die Moormächtigkeit stark beeinflusst. Die intensive Nutzung führte, hauptsächlich verursacht durch niedrige oder schwankende Grundwasserstände, zu einer fortschreitenden, irreversiblen Moorbodendegradierung (Torfzersetzung). Dabei wird im Torf gebundenes CO2 freigesetzt. Es kommt zu Moorsackungen und es bilden sich wasserstauende Mulm-Horizonte, die eine Bewirtschaftung erschweren. In den vergangenen Jahren sind zahlreiche Landnutzer*innen zu einer extensiven Bewirtschaftung übergegangen, die durch eine EU-Förderung unterstützt wird. Damit werden z.B. weniger Tiere auf den Weiden gehalten oder es wird seltener gemäht. Nach wie vor wird jedoch mittels der Gräben entwässert, um die Flächen befahrbar zu halten. Der Torfabbau setzt sich fort. Zur Förderung einer moorschonenden Grünlandnutzung gibt es aktuell eine Agrarumweltmaßnahme mit dem Ziel einer hohen Stauhaltung zur Anhebung der Grundwasserstände. Zunächst wird sie nur kleinflächig zur Anwendung kommen. In der Zukunft sollten jedoch alle Niedermoorflächen möglichst torferhaltend bewirtschaftet werden. Mehr zu diesen Nutzungsformen erfahren Sie hier: http://www.dss-torbos.de/

2040

Die Analyse der Vergangenheit und Gegenwart hat gezeigt, dass die Randow-Niederung seit dem 18. Jahrhundert überwiegend als Grünland bewirtschaftet wurde. Was sich verändert hat, ist die Intensität der Landnutzung und damit einhergehend die Veränderung des Niedermoorbodens. Was könnte das für die Zukunft bedeuten? Im Rahmen des ELaN-Projektes haben wir zwei Szenarien entwickelt und stellen diese im Zukunfts-Bereich vor. Ab in die Zukunft

Quellen

SUMSER, D. (2015): GIS-gestützte Analyse des Landnutzungswandels entlang der südlichen Randow-Niederung - Unter besonderer Berücksichtigung eines Szenarienentwicklungsgebiets aus dem Forschungsprojekt ELaN. 2015. Eberswalde. Bachelorarbeit (Entwurf). HNE Eberswalde

unter Verwendung von:

BURRMANN, H. (2006): Schmölln – 1900 bis 1945. GLOATZ, J. (1931): Die Bodenverbesserungen im Randowbruch, ihre Entwicklung, Erfolge und Aussichten., Berlin. KLUGE, B. (2003): Moorschwund und C-Verlust von entwässerten Niedermoorböden – dargestellt am Beispiel Randow-Welse-Bruch. LEHRKAMP, H. (1987): Die Auswirkungen der Meliorationen auf die Bodenentwicklung im Randow-Welse-Bruch. LUGV (2012): Gewässerentwicklungskonzept für das Teileinzugsgebiet Randow (OdU_Randow), Bützow. MEYNEN, E., SCHMITHÜSEN, J., Hrsg. (1962): Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands – Band II, Selbstverlag, Bad Godesberg. MUGV (2012): Managementplanung Natura 2000 im Land Brandenburg – Managementplan für das Gebiet "Randow-Welse-Bruch", Potsdam. SCHMIDT (28.05.2015): Interview Melioration. mündl. Mitt., Passow. KARTENAUSSCHNITTE: Schmettausches Kartenwerk 1787, (Originalkarte: Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz; Kart. L 5420) Preußische Urmeßtischblätter (UMTB) 1827, (Originalkarte: Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz; Kart. N 729) Messtischblätter (MTB) 1912-1936, (Originalkarte: Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz; Kart. N 730) Staatliches Kartenwerk der DDR - Topographische Karte (1987) 1:25.000 – Ausgabe Staat Digitale Topographische Karte (DTK) ©Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg, 2015 (www.geobasis-bb.de)